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OpenSource Charger

Autor: Michael · veröffentlicht 8.3.2016 13:00 Uhr · zuletzt geändert 23.3.2016 12:22 Uhr · Tags: mac linux d'oh

Wie berichtet verwende ich für die alltäglichen Arbeiten des Lebens ein aktuelles Ubuntu auf einem Macbook Air. Die Kompatibilität ist inzwischen nahezu perfekt; Hotkeys, Beleuchtungen, Multimedia inkl. Kamera, alles funktioniert auf meinem Modell (Modell 5,2 von Mitte 2012) out of the box soweit gut. Einzig auffällig ist, dass bei Verbinden bzw. Entfernen des Netzteiles im laufenden Betrieb eine deutliche, mehrsekündige Verzögerung festzustellen ist. Das heißt, nach Entfernen des Ladekabels braucht der Rechner einige Sekunden um festzustellen und anzuzeigen, dass er jetzt nicht mehr auflädt sondern auf Akkuenergie rennt. Die LED am Netzteil ist dabei zeitweise ebenfalls schwerfällig bzw. asynchron und zeigt gelegentlich etwas Anderes an als der Systemstatus, also beispielsweise ein grünes Signal für "Akku voll" während Ubuntu weiterhin glaubt, es lade noch. Eigentlich soweit kein größeres Problem, jedoch bin ich aufgrund dieser Eigenheiten neulich in ziemlichen Schlamassel gelaufen.

Mitten im Betrieb begann zuerst die LED des eingesteckten Netzteils ein lustiges Blinkkonzert mit randomisierten Zuständen aus grün, orange und ganz aus. Kurze Zeit später stieg dann auch das Benachrichtigungsfeld in diesen Reigen der sich abwechselnden Zustände ein. Schließlich blieb die LED ganz aus, Ubuntu behauptete fortan, nur noch auf Akku zu laufen. Da ich nichts am Netzteil verändert hatte, die verwendete Steckdose augenscheinlich noch Spannung führte (mit der Zungenspitze getestet :-)) und das Macbook überdies auch nicht großartig bewegt worden war, kam ich erst gar nicht auf die Idee einer Stecker- oder Verbindungsfehlfunktion sondern ging primär von einer softwarebedingten Fehlfunktion aus, was vor meinem geistigen Auge durch die initial wild wechselnden Zustände noch bestärkt wurde. Nach Neuanschaffung hatte ich damals mit dem langsam vor sich hinsiechenden Originalakku ein ähnliches Szenario erlebt, allerdings ist der aktuelle Akku einfach zu neu um schon defekt zu sein, dachte ich.

Ladegerät am MacBook

Als universelle Problemlösung versuchte ich zunächst einen sogenannten SMC-Reset, bei dem auch ein Teil des Hardwaremonitorings, das ich als sich verschluckt habender Übeltäter im Verdacht hatte, zurückgesetzt wird. Leider brachte dies null Effekt, das System glaubte sich immer noch auf Akkuspannung beschränkt laufen zu sehen. Also wurden härtere Waffen aufgefahren und ein NVRAM-Reset probiert. Mit dem Effekt, tadaa, dass der Laptop nun erst gar nicht mehr hochfuhr sondern mir nur noch einen blinkenden Ordner mit Fragezeichen, vulgo also kein verfügbares Bootmedium, anzeigte. Da war guter Rat teuer, zumal ich mich gänzlich ohne weitere Hilfsmittel auf Reisen befand. Also zurück in die analoge Zeit und einige Tage ohne elektronische Hilfe verbracht. Zurück zu Hause erneute Fehlersuche am entblößten Korpus. Lösen der Akkuverbindung auf dem Mainboard und Messen der Akkuspannung ergab, dass sich der Akku scheinbar noch in gutem Zustand befand, nicht tiefentladen war und nach Wiederverbinden auch korrekte Spannung ans Mainboard abgab. Weiters fiel auf, dass ohne angesteckten Akku nirgendwo eine Spannung zu messen war, auch nicht direkt an der Einspeisestelle. Interessanterweise kam ich erst jetzt auf die Idee, auch das Netzteil an sich mal am Magsafestecker zu messen. Treffer, hier lag keine Spannung an. Sollte das schon des Rätsels profane Lösung sein? Anscheinend, denn bei näherer Inspektion fiel auf, dass die federnd gelagerten Kontaktstifte einfach nicht mehr weit genug herausstanden und in ihrem "Kokon" versteckt keinen Kontakt mehr boten. Nach entsprechender Traktierung des Steckers (Vollmetallmodell; Entfernen der Kappe etwas schwierig aber möglich) entfernte ich einen Teil des weißen Plastiks, dass diese Stifte voneinander isolierend umgibt und konnte mit Hilfe einer Pinzette zumindest vier davon wieder auf volle Länge herausziehen. Laut Wikipedia ist übrigens der jeweils äußere Stift des symmetrisch aufgebauten Steckers Masse, der jeweils davon eins weiter innen Liegende der Pluspol und der mittlere Pin für die LED zuständig. In der Tat konnte ich nach diesem Manöver (vgl. Foto) alles wieder regelrecht funktionierend vorfinden und den Akku wie gewohnt laden (jetzt quasi auch mit einem open source Netzteil :-)).

Mein Problem wäre nun mit dem inzwischen getätigten Neuerwerb eines zweiten Netzteiles sowie eines Magsafesteckers als Ersatzteil zur Reparatur des ersten Netzteiles gelöst gewesen, wäre da nicht noch - richtig - mein Bootproblem. Ein aktuelles Ubuntuimage auf einem USB-Stick ließ mich zumindest wieder problemlos booten, die eingebaute SSD schied nach einigen Tests des Dateisystems als Fehlerursache aus. Allerdings offenbarte ein

sudo efibootmgr -v

dass gar kein Bootmedium mehr eingetragen war. Scheinbar hatte ich im Eifer des Gefechtes mit dem NVRAM-Reset auch hier für Ordnung, sprich Leere, gesorgt und das arme System wusste nun gar nicht mehr, was es denn außer dem USB-Stick noch so zum Booten gibt. Die Problemlösung ist aber so profan wie unspannend: in die Systemumgebung chrooten und den Bootmanager (grub) neu installieren. Auf meiner SSD befindet sich auf sda1 das UEFI Boot Device, auf sda2 der ganze Rest, sprich / inklusive /boot. Die entsprechende Befehlssequenz war im konkreten Fall dann:

sudo -i
mount /dev/sda2 /mnt
mount /dev/sda1 /mnt/boot/efi
for i in dev dev/pts proc sys /sys/firmware; do mount --bind /$i /mnt/$i; done
chroot /mnt
update-grub
grub-install

Nach Verlassen der chroot-Umgebung zeigte dann eine erneute Abfrage des EFI, dass dem System wieder die richtige Bootmöglichkeit bekannt war und der Neustart ging sodann wieder sauber und blitzschnell in die gewohnte Arbeitsumgebung.

Als Fazit bleibt also, die logische Reihenfolge einer Fehlerursachensuche dringend einzuhalten, Aktionismus und verfrühte Invasivität (letztlich hätte sich dieses Problem ganz ohne Griff zum Schraubendreher lösen lassen) zu vermeiden. Allerdings habe ich wieder etwas Mehr über das Innenleben und die Funktion des Systems gelernt; als in Zeiten des guten alten BIOS sozialisierter Nerd braucht's halt auch ein bischen Hands-on am Nachfolgesystem UEFI ;-)

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